Wirtschaft, Industrie & Handel in Paraguay

Bis in die 60er Jahre war Paraguay im wesentlichen von Land- und Wasserwirtschaft abhängig. Heute trägt die Landwirtschaft etwa 25% zum Bruttoinlandsprodukt bei. Etwa 40% der Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft. Der Rest wird von der seit 1970 wachsenden Industrie zu etwa 20% und dem Dienstleistungssektor zu 55% erwirtschaftet.

Trotz des hohen Anteils der “Schattenwirtschaft”, was keine genauen Werte des tatsächlichen BIP zulässt, wächst die paraguayische Wirtschaft seit 2003 wieder kontinuierlich, nachdem es in den Jahren 1998 – 2002 eine Wirtschaftskrise gab, die einen Rückgang des BIP zur Folge hatte.

Landwirtschaft
Die Landwirtschaft Paraguays ist immer noch vom Großgrundbesitz geprägt (etwa 2/3 des Agrarlandes gehören 10% der Bevölkerung). Die Bewirtschaftung ist einigermassen deutlich in 2 geographische Zonen aufgeteilt. Westlich des Rio Paraguay, dem “Chaco” wird hauptsächlich Weidewirtschaft betrieben. Wo die Witterung und vor Allem die Niederschläge es zulassen (im Norden des Chaco), auch Ackerbau. Im Osten des Chacos sollen künftig auch grosse Plantagen für die Ölgewinnung (Kraftstoffe) entstehen.

Milchwirtschaft
Milchwirtschaft ist die Domäne der Mennoniten und kann durchaus mit europäischen Standarts verglichen werden. Darauf sind wohl auch die relativ hohen Preise für Milchprodukte zurückzuführen.

Ackerbau

wird hauptsächlich östlich des Rio Paraguay betrieben. Angebaut werden vorwiegend Zuckerrohr, Baumwolle, Soja, Maniok und Getreide.

Forstwirtschaft
Auch in Paraguay werden noch immer grosse Flächen abgeholzt. Im wesentlichen von Grossgrundbesitzern die ihre Weide- und Anbauflächen ausdehnen wollen. Häufig kommt es dabei auch zu Konflikten mit der dort ansässigen Urbevölkerung. Jährlich werden etwa 400.000 ha gerodet und nur noch etwa 20% Paraguays sind bewaldet. Davon werden ca. 20.000 ha forstwirtschaftlich genutzt. Auf der doppelten Fläche (etwa 40.000 ha) werden schnellwachsende Nutzhölzer kultiviert.

Industrie
Eine nennenswerte Industrie gibt es erst seit den 70er Jahren, die seitdem auf etwa 20% des BIP angewachsen ist. In der Hauptsache werden landwirtschatfliche Güter industriell verarbeitet. Holz- und Fleischverarbeitung nehmen dabei die vorderen Plätze ein, die auch dem Export dienen. Einen immer grösser werdenden Anteil nimmt die Herstellung von pflanzlichen Ölen ein, die, mit steigender Tendenz, der Kraftstoffproduktion dient.

Ausserdem spielen die Frucht- und Zuckerprodukte eine nennenswerte Rolle. Die Produktion von Textil-und Glasartikeln dient hauptsächlich dem inländischen Konsum. Ebenso die Zement- und Stahlproduktion.

Schattenwirtschaft
Die Schattenwirtschaft ist in Paraguay, wie in fast allen Ländern Lateinamerikas stark ausgeprägt. Im wesentlichen wird sie durch die Einfuhr von Konsumgütern und deren Weiterverkauf in benachbarte Länder geprägt. Ebenso tragen die Subsistenz-Wirtschaft, die vielen Kleinstunternehmen (Strassenhändler etc.) und auch Tagelöhner und Gelegenheitsarbeiter dazu bei.

ITAIPU

ITAIPU

Devisen
Ein wichtiger Devisenbringer für Paraguay ist ohne Zweifel der Export von elektrischer Energie. Das Kraftwerk ITAIPU ist ein Gemeinschaftsprojekt mit Brasilien und von den 20 installierten Generatoren bezieht Paraguay nur die Energie von 1,5 Einheiten. Der Rest wird an Brasilien verkauft. Tatsächlich verdient wird daran allerdings nicht.

Paraguay ist laut Verträgen dazu verpflichtet, seinen nicht benötigten Anteil zum Selbstkostenpreis an Brasilien abzugeben. Die paraguayische Regierung versucht immer wieder die Verträge neu zu gestalten um die Energie auch anderweitig, zu einem reellen Preis, zu verkaufen, nur Brasilien war bisher nicht dazu zu bewegen und besteht auf den Abmachungen. Das soweit auch nicht verwunderlich, hat doch Brasilien seinerzeit den Löwenanteil der Installationskosten übernommen. Offenbar wurde bei den Abmachungen kein Rückzahlungabkommen geschlossen und Paraguay ist jetzt auf Dauer verpflichtet, den Strom an Brasilien zu den gegebenen Konditionen abzugeben.

Oft ist in ärmeren Ländern der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle für Devisen. Nicht so in Paraguay. Paraguay ist nur spärlich für den Tourismus erschlossen und hat auch nicht die typischen Attraktionen zu bieten, die für einen ertragreichen (Massen) Tourismus interessant wären.

Dennoch kann man davon ausgehen, dass ein guter Teil der Devisen von den Ausländern erbracht wird, die in diesem Land leben. Die meisten der hier in jüngerer Zeit eingewanderten, bringen zunächst Devisen zum Kauf einer Immobilie mit und der laufende Lebensunterhalt wird in der Regel auch vom Heimatland aus bestritten.